12. März 2019, 22:13 Uhr

Eistonne und Nudeln

12. März 2019, 22:13 Uhr

Eintracht Frankfurt


Sebastian Rode kannte das Rezept für die kurze Regenerationsphase vor dem größten Europacup-Spiel seit einem Vierteljahrhundert. »Jetzt geht es aufs Fahrrad, dann in die Eistonne, dann gibt es Nudeln und dann müssen wir viel schlafen«, sagte der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt. Als Rode diese Worte sprach, war das 3:0 (0:0) in der Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf gerade abgepfiffen und das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League bei Inter Mailand ganze 70 Stunden entfernt. Körperliche Probleme befürchtet Rode aber nicht. »Mit der Vorfreude und dem Adrenalin geht es auch mit etwas weniger Regeneration«, sagte er: »Es ist, wie es ist. Zwei Tage Pause, dann geht es weiter. Die Fans müssen ja auch weiter.«

Der Erfolg beim zuletzt starken Aufsteiger in Düsseldorf und die glänzende Ausgangsposition für eine erneute Europacup-Qualifikation geben den Hessen das Gefühl, körperliche Grenzen ignorieren zu können. »Wir sind bereit, Geschichte zu schreiben«, sagte Gelson Fernandes nach den Toren von Goncalo Paciencia (48.) und Sebastian Haller (90.+1/90.+3): »Dieser Sieg gibt Kraft. Mit drei Punkten in der Tasche erholst du dich viel besser.«

Bei allem Hype um den Fußball-Festtag, an dem mindestens 15 000 Fans die Frankfurter nach dem 0:0 im Hinspiel begleiten wollen, versuchen die Verantwortlichen auch, nicht zu überdrehen. Auf die Frage, was man denn außer Nudeln zu essen noch machen könne, sagte Sportdirektor Bruno Hübner: »Ach, die sollen ruhig mal mit den Nudeln anfangen.«

Kapitän Fernandes versicherte auch, sein Team habe »die richtige Mentalität«. Abwehrchef Makoto Hasebe untermauerte dies mit Taten. Der 35 Jahre alte Japaner hatte sich in Mailand einen Nasenbeinbruch zugezogen. In Düsseldorf stand er in der Startelf, die Gesichtsmaske zog er nach wenigen Minuten aus und spielte ohne Schutz bis zum Ende durch. »Die Maske hat ihn, glaube ich, ein bisschen gestört«, sagte Hübner. Auf die Frage, ob das nicht ein zu großes Risiko sei, antwortete Hübner lachend: »Für ihn persönlich schon. Für uns war es ohne Maske ein geringeres Risiko.«

Eine zusätzliche Motivation für das Spiel in Mailand ist die Sperre von Trainer Adi Hütter. »Sie müssen nicht für ihren Trainer spielen, sondern für Eintracht Frankfurt«, sagte der Österreicher aber und wollte auch dieser Sache keine zu große Bedeutung beimessen. »Es wird sicher nicht so angenehm. Selber schuld«, sagte Hütter, der im Hinspiel gegen eine Wasserflasche getreten hatte: »Diesmal muss ich meine Arbeit eben vorher machen und schon bei der Spieler-Besprechung im Hotel die richtigen Worte finden.« Hütter darf auch in der Pause nicht in die Kabine oder während des Spiels Kontakt per Handy oder Funk mit der Bank haben. Bei der Fortuna fehlte einmal mehr Ante Rebic, der wegen seiner Knieverletzung möglicherweise auch am Donnerstag passen muss. Doch der Tabellenfünfte hatte in Düsseldorf, das gab auch Hütter zu, »in der ein oder anderen Situation das nötige Glück mit dem Schiedsrichter«. Hütters Kollege Friedhelm Funkel war derweil stocksauer. »So wie wir benachteiligt werden, das geht schon nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut«, sagte der 65-Jährige. Funkel spielte auf den zurückgenommenen Handelfmeter in der 61. Minute an sowie das aberkannte Tor von Dawid Kownacki nach 90 Sekunden.

Bei der Eintracht ist das Spiel in Düsseldorf Geschichte. Jetzt zählt nur noch Mailand. Hütter freut sich trotz seiner Sperre auf das Rückspiel gegen die Nerazzurri: »Ich hoffe, dass es ein Festtag für uns wird. Wir brauchen eine absolute Spitzenleistung, um im San Siro bestehen zu können. Wir müssen in der Höhle des Löwen Leistung zeigen und den Kampf annehmen.«

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