21. Februar 2019, 13:13 Uhr

FC Gießen

Fink: »In der Regionalliga sollte für den FC Gießen nicht Schluss sein«

Michael Fink erklärt im Interview, unter welchen Umständen er bei Fußball-Fünftligist FC Gießen bleibt. »In der Regionalliga sollte nicht Schluss sein«, sagt die 37-jährige Führungsfigur.
21. Februar 2019, 13:13 Uhr
Michael Fink im Gießener Seltersweg: »Mit Gießen verbinde ich vor allem Sport: FC Gießen und 46ers.« (Schepp) (Foto: SCHEPP_O)

Michael Fink knüpft seine Zukunft beim FC Gießen an die Investitionsbereitschaft der Verantwortlichen: »Ich muss sehen, dass der Verein gewillt ist, eine Mannschaft zusammenzustellen, die sich im Mittelfeld der Regionalliga platzieren kann.«

Angesichts seiner Erfahrung als Ex-Profi von Eintracht Frankfurt, Besiktas Istanbul oder Borussia Mönchengladbach und aufgrund seiner Kontakte ist Fink eine Chance für den FC Gießen. Fink lief schon in der Champions League im Old Trafford in Manchester auf, zuletzt verpasste er als spielender Co-Trainer mit Waldhof Mannheim zweimal in der Relegation den Drittligaaufstieg – wertvolle Erfahrungen.

Es wäre naheliegend, in dem 37-Jährigen den sportlich starken Mann der Gießener Fußball-Zukunft zu sehen. »Ich bin dem nicht abgeneigt«, sagt Fink, während er im Gianoli in der Gießener Plockstraße sitzt.

Es ist ein Projekt, wo man sagen kann: Ich war von Anfang an dabei und habe es mitentwickelt

Michael Fink

Einmal in der Woche isst die Mannschaft des Fünftligisten dort. Fink kennt diverse Einkaufsläden im Seltersweg, ansonsten hat er wenig Berührungspunkte mit der Stadt, die den Fußball seit dem Sommer 2018 auch dank ihm neu für sich entdeckt hat. Mit über 2000 Zuschauern pro Heimspiel hat der FC Gießen die Messlatte in der fünften Liga hoch gelegt.

Der im Sommer neu gegründete FC Gießen, der am Sonntag (14.30 Uhr) beim VfB Ginsheim mit acht Punkten Vorsprung als Tabellenführer in die Restrunde der Hessenliga startet, strebt in die Regionalliga. Dort muss laut Fink nicht Schluss sein. Der Ex-Profi macht deutlich, dass er ambitioniert ist: »Wenn die Entwicklung so weitergeht, ist das Potenzial für die dritte Liga da.«

Finks Aussage ist vor allem auf die Zukunft gemünzt. Im Geschäftsjahr 2017/18 gab der Verein zwar 1,8 Millionen Euro für erste und zweite Mannschaft aus – während der Betrag in dieser Saison schon etwas geringer war, reduziert sich das Budget für die nächste Saison aber noch einmal, wie Trainer Daniyel Cimen am Mittwochabend erklärte: »Es ist nicht nur ein bisschen, sondern wirklich weniger. Das Budget für die neue Saison hat mich schon überrascht. Von der dritten Liga braucht da keiner auch nur annähernd zu träumen. Es kann sein, dass wir vor einem Umbruch stehen.«

Michael Fink im Gießener Waldstadion: "Das spielt eine große Rolle, um Spieler halten zu können." (Foto: Friedrich)
Michael Fink im Gießener Waldstadion: "Das spielt eine große Rolle, um Spieler halten zu k...

Spannende (Abend-) Aussagen, wenn man Finks ehrgeizige Vorstellungen kennt. Insofern dürfte es spannend sein, ob Michael Fink, Trauzeuge von Cimen, Gießen wirklich erhalten bleibt.

Herr Fink, was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal im Waldstadion waren?

Michael Fink: Ich war überrascht, im Vergleich zum Sportplatz an der Neumühle in Watzenborn-Steinberg ist das ein echtes Stadion. Als ich im Mai das erste Mal da war, wuchs auf den Tribünen noch Unkraut. Aber man konnte einen gewissen Charme erkennen, den das Waldstadion jetzt definitiv hat.

Wenn Sie in Gießen auflaufen, fühlt sich das für Sie wie ein echtes Heimspiel an?

Fink: Auf jeden Fall. Vor allem, wenn man die Zuschauerzahl betrachtet: Die Unterstützung ist von Woche zu Woche mehr geworden, am Anfang waren da einige wenige Fans mit Fahnen und Schals, mittlerweile gibt es schon zwei Fanclubs. Es war sensationell, wie viele Leute uns in Alzenau unterstützt haben, gegen den FSV Frankfurt gab’s zuletzt eine Choreographie. Gab’s das in Pohlheim jemals? Mit der Fusion hatte man sich etwas erhofft, aber dass es so schnell geht, hat keiner gedacht. Es ist ein Projekt, wo man sagen kann: Ich war von Anfang an dabei und habe es mitentwickelt. Das ist immer schöner, als sich ins gemachte Nest zu setzen.

Womit verbringen Sie, abgesehen vom FC Gießen, Ihre Zeit?

Fink: Ich verbringe viel Zeit mit meinem Sohn, der jetzt ein Jahr und zwei Monate alt ist. Wir haben zwei Hunde und engagieren uns darüber hinaus für Tierschutz. Wir helfen dabei, Hunde, die aus Spanien, Rumänien und Portugal kommen, in Deutschland zu vermitteln, nehmen sie teilweise als Pflegehunde auf. Ansonsten bin ich in Frankfurt in Immobiliengeschäfte und der Verwaltung einer Diskothek involviert. Und natürlich bin ich öfter in Linden im Büro und diskutiere mit Daniyel über den FC Gießen.

Ich muss sehen, dass der Verein gewillt ist, eine Mannschaft zusammenzustellen, mit der man sagen kann: Wir können uns im Mittelfeld der Regionalliga platzieren

Michael Fink

Klingt nach viel Ausgleich zum Fußball.

Fink: Es war schon während meiner Profizeit mein Ziel, breit aufgestellt zu sein.

Haben Sie den Ehrgeiz, im Profigeschäft des Fußballs Fuß zu fassen?

Fink: Ja, weil ich Fußball liebe. In gewisser Art und Weise brauche ich den Fußball.

Ist Gießen für Sie eine Durchgangsstation?

Fink: Jeder hat das Ziel, so hoch wie möglich zu kommen. Und es wäre schön, wenn ich mit dem FC Gießen in den nächsten Jahren einen erfolgreichen Weg gehen könnte.

Welche Chancen sehen Sie für den FC Gießen in naher Zukunft?

Fink: Große. Wenn man davon ausgeht, dass wir in die Regionalliga aufsteigen, dann sollte da für den FC Gießen und Mittelhessen nicht Schluss sein. Im Stadion wird sich im Sommer im Fall des Aufstiegs etwas tun, die Sponsorenanzahl hat sich seit der Gründung des FC Gießen um 50 bis 60 Prozent erhöht. Wenn das so weitergeht, dann ist das Potenzial für die dritte Liga da. Aus der dritten Liga kann es schnell gehen, da gibt es Beispiele wie Darmstadt oder Würzburg. Die Voraussetzungen werden hier geschaffen: Neue Kunstrasenplätze sind anvisiert, hinter dem Tor soll eine Tribüne errichtet werden, die Umkleidekabine soll erneuert werden. Dadurch und dank der Zuschauerzahl kann man Spieler einfacher nach Gießen locken, die nicht nur Geld verdienen wollen. Das war in Watzenborn natürlich extrem schwierig. Wenn du vor 600 Zuschauern auf dem Sportplatz spielst, ist das begrenzt reizvoll.

Michael Fink bei den Drei Schwätzern in der Gießener Plockstraße: "Im Moment identifiziere ich mich voll und ganz mit dem FC Gießen."
Michael Fink bei den Drei Schwätzern in der Gießener Plockstraße: "Im Moment identifiziere...

Sie haben jahrelang in der Regionalliga und jetzt auch in der Hessenliga gespielt – wie groß ist der Unterschied wirklich?

Fink: Die ersten zwei drei Hessenligisten können in der Regionalliga mithalten. Punktuell musst du vier, fünf Neuzugänge holen. Dann hat man eine realistische Chance, Stadtallendorf hat es vorgemacht. Das zweite Jahr wird das schwierigere, weil andere Vereine auf deine Spieler aufmerksam werden. Dann spielen Faktoren wie Stadion und Zuschauer eine große Rolle, um die Spieler halten zu können. Diesen Schritt erreichst du nur mit Infrastruktur und Umfeld.

Identifizieren Sie sich also mit der Aufgabe, in Gießen Voraussetzungen für einen etablierten Regionalligisten zu schaffen?

Fink: Im Moment identifiziere ich mich mit dem FC Gießen voll und ganz, weil wir aufsteigen wollen. Mit den Verantwortlichen wurden schon Gespräche geführt. Ich muss sehen, dass der Verein gewillt ist, eine Mannschaft zusammenzustellen, mit der man sagen kann: Wir kämpfen nicht Woche für Woche ums Überleben, sondern können uns im Mittelfeld der Regionalliga platzieren. Man sollte mit allen Leistungsträgern verlängern und drei, vier Hochkaräter holen.

Wenn der Verein also weiterhin Investitionsbereitschaft an den Tag legt, spielen Sie auch nächste Saison im Waldstadion?

Fink: Dann ist das sehr wahrscheinlich, ja. Die Entscheidung dürfte in den nächsten ein, zwei Monaten fallen.

Sie sind jetzt 37 Jahre alt. Claudio Pizarro spielt mit 40 noch in der Bundesliga.

Fink: (lacht) Das ist nicht mein Ziel. Aber wenn mein Körper so mitspielt wie bisher, sage ich niemals nie.

Sie haben sich in Ihrer Karriere auch nie schwer verletzt. Was war denn Ihre langwierigste Verletzung?

Fink: Ich hatte viele Brüche, Nasenbeinbruch, Zehenbruch. Aber länger als sechs Wochen bin ich nie ausgefallen. Ich habe auch relativ gutes Heilfleisch. Ich habe mir in der Winter-Vorbereitung einen Muskelbündelriss zugezogen, der Doc meinte: Normalerweise sechs Wochen Pause. Ich bin nach zweieinhalb Wochen wieder eingestiegen.

Wir haben uns jetzt so eine gute Ausgangslage erarbeitet, wir wären schön blöd, wenn wir das leichtfertig herschenken

Michael Fink

Zur aktuellen Lage in der Hessenliga: Bei acht Punkten Vorsprung und nur noch zwölf ausstehenden Spielen rechnet jeder damit, dass der FC Gießen aufsteigt. Ist das die einzige Gefahr?

Fink: Eigentlich ja. Wenn unsere Spieler auch so denken, dass nichts mehr passieren kann und wir schon aufgestiegen sind, dann schaffen wir es nämlich nicht. Wir haben in vielen Spielen gemerkt, dass es schnell eng werden kann. Wir haben uns jetzt so eine gute Ausgangslage erarbeitet, wir wären schön blöd, wenn wir das leichtfertig herschenken.

Sie sind ein sehr erfahrener Spieler und bester Freund von Daniyel Cimen. Besprechen Sie viel Taktisches mit dem Trainer?

Fink: Ja, während des Spiels oder in der Kabine öfter. Auf dem Platz sieht man Dinge anders als von außen.

Wie sieht Ihre Rolle beim FC Gießen – abgesehen von der Spielerrolle – derzeit aus?

Fink: Zeit für das Scouten habe ich durch das Spielersein kaum. Aber ich bin viel in beratender Funktion tätig – ob bei der Aufstellung, Spielerverträgen oder Zukunftsplänen des Vereins. Wichtig war zum Beispiel, dass wir nun einen Scout vom Halleschen FC gewonnen haben, dem auch ein Angebot vom Zweitligisten SC Paderborn vorlag.

Einen personellen Umbruch wollen wir vermeiden. Drei, vier Hochkaräter, die die Regionalliga kennen, wären wie gesagt erstrebenswert

Michael Fink

Aus neutraler Sicht würde es durchaus Sinn machen zu sagen, dass Sie der starke sportliche Mann des FC Gießen werden.

Fink: Warum nicht? Ich bin dem nicht abgeneigt. Ich mache jetzt ja schon viel im Büro in Linden, was die sportliche Kompetenz angeht. Aus dem wirtschaftlichen Bereich und dem Sponsoring möchte ich mich raushalten.

Viele Regionalliga-Aufsteiger haben zuletzt im Sommer einen personellen Umbruch vollzogen. Ist das beim FC Gießen auch angedacht?

Fink: Das wollen wir vermeiden. Wenn du zehn neue Spieler holst, stehst du quasi vor einem Neuanfang. Im Moment haben wir charakterlich eine gute Mannschaft. Da wäre es Blödsinn, einen Umbruch zu machen. Drei vier Hochkaräter, die die Regionalliga kennen, wären wie gesagt erstrebenswert.

Zu Ihrer Zukunft: Liegt Ihnen eher der Trainerjob oder der des Sportdirektors?

Fink: Gute Frage. Ich bin ein sehr offener Mensch, lache auch gerne mit den Jungs. Als Cheftrainer muss man eine gewisse Distanz bewahren. Das würde mir über einen langen Zeitraum eher schwer fallen. Deswegen wäre der Co-Trainer-Posten besser, weil du die Verbindung zwischen Cheftrainer und Mannschaft bist. Oder eben in der sportlichen Beratung für einen Verein, so wie es jetzt der Fall ist. Ich habe in Mannheim viel miterlebt, kenne viele Seiten.

Aufgrund Ihrer freundlichen und ruhigen Art fragt man sich, ob Sie knallharte Entscheidungen treffen können.

Fink: Das kann ich und das muss ich. Fußball ist für jeden ein schnelllebiges Geschäft.

Abschließend: Wird es Daniyel Cimen und Michael Fink in Gießen nur im Doppelpack geben?

Fink: Ich bin vor allem wegen Daniyel nach Gießen gekommen. Wir hatten immer die Gedanken, mal zusammenzuarbeiten – wir ergänzen uns gut. Ich hoffe, dass Daniyel noch weitere Schritte geht, hoffentlich mit dem FC Gießen. Unsere Familien sind befreundet, ein besseres Verhältnis gibt es nicht.

Also: Wenn einer geht, heißt es, dass der andere auch geht?

Fink: Nicht zwingend. Am liebsten würden wir das zusammen machen, aber wenn einer geht oder gehen muss, dann muss der andere nicht zwangsläufig folgen.

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