30. November 2017, 12:00 Uhr

Luftdruck runter, hinten bremsen, weitertreten

30. November 2017, 12:00 Uhr
Sofort reinigen, ehe die Bremse blockiert.

In diesen Tagen sind viele Straßen, Fahrrad- und Waldwege mit schmierigem Laub und Blättern übersäht. Wie kommt auch der ungeübte Fahrer sicher und schnell zum Stehen?

Noah Jung: Generell gilt: Die Geschwindigkeitswahl sollte auf die Bodenverhältnisse und die eigene Radbeherrschung angepasst werden. Laub ist eine Gefahr, nicht nur, weil es selbst schon schmierig ist, sondern sich auch Gefahren darunter befinden können. Auf unbefestigten Wegen verstecken sich oft kleine Hindernisse unter der nassen Laubschicht – z. B. rutschige Wurzeln, Stöcke oder auch Steine. Am besten sollte man hauptsächlich mit der Hinterradbremse bremsen und eventuell die Vorderradbremse schleifen lassen. Die Hinterradbremse dabei nicht dauerhaft blockieren, sondern auch mal wieder öffnen und schließen, damit sich keine Laubmasse unter dem Hinterrad bildet, was die Bremswirkung vermindert oder blockiert.

Noah Jung vom Team delta-bike.de
Noah Jung vom Team delta-bike.de

 

Inzwischen haben sehr viele Mountainbikes Scheibenbremsen. Welche Vorteile/Nachteile bieten sie und warum sieht man die sogenannten Disc noch sehr selten an Rennrädern?

Jung: Im Mountainbikebereich ist die Scheibenbremse mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Sie haben eine stärkere Bremswirkung und reagiert direkter und genauer – vor allem bei Nässe. Die Nachteile einer Scheibenbremse liegen bei langen Abfahrten. Die Bremsscheibe wird hier sehr schnell heiß und die Bremswirkung lässt nach. Je länger die Abfahrten, umso größer sollte der Durchmesser der Scheiben sein. Auch bei Rennrädern kommen diese Bremsen vermehrt zum Einsatz. Bei Straßenrennen waren sie lange Zeit verboten, da vor allem bei Massenstürzen die Bremsscheiben eine erhöhte Verletzungsgefahr durch Schnittwunden und Verbrennungen darstellen.

Rennradreifen werden meistens mit sieben bis acht bar bis fast zum Zerplatzen aufgepumpt, um mit wenig Rollwiderstand die eingesetzte Kraft optimal auf die Straße zu bringen. Das schaut bei euch Mountainbikern bestimmt ganz anders aus?

Jung: Genau. Mit dem MTB fährt man meistens zwischen 1,6 und 2,2 bar. Bei sehr nassen und ruppigen Strecken wird mit eher weniger Luft gefahren, um mehr Grip und Auflagefläche auf dem Waldboden zu haben. Bei zu wenig Luftdruck steigt natürlich das Risiko eines Durchschlags auf die Felge. Bei trockenen und technisch nicht so anspruchsvollen Strecken wird mit mehr Luft bis zu drei bar gefahren, um wie beim Rennrad mehr Druck auf den Reifen bringen zu können.

In den letzten Tagen hat es ordentlich geregnet, manche Passagen auf unbefestigtem Gelände entpuppen sich als wahre Schlammlöcher. Wer darin nicht versinken oder umkippen will, was ist zu tun?

Jung: Wichtig ist, das richtige Tempo zu finden, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam, damit man nicht stecken bleibt und umkippt. Den Gang nicht zu dick wählen. Nicht aufhören zu treten und nicht hektisch bremsen oder lenken. Wenn man das Gewicht nach hinten verlagert, kann man das Vorderrad entlasten. Folge daraus ist, dass das Vorderrad nicht mehr so leicht wegrutscht.

Ähnliche Situation, manchmal verliert das Vorder- oder Hinterrad den Grip und kommt beim Überfahren von Ästen oder Steinen ins Rutschen. Was tun?

Jung: Auf keinen Fall auf Wurzeln oder nassen Ästen und Steinen stark bremsen. Bei steileren Wegen und Abfahrten empfiehlt es sich, das Gesäß hinter den Sattel zu verlagern, um das Vorderrad zu entlasten.

Die Kurventechnik ist eine Wissenschaft für sich. Wohin geht der Blick? Darf in einer Kurve gebremst werden?

Jung: Die Kunst dabei ist es, vorausschauend zu fahren, um früh genug Kurven oder Gefahren erkennen zu können. Ziel des Blickes sollte der Ausgang der Kurve sein. Man lenkt währenddessen automatisch in die Blickrichtung.

Fahrradbeherrschung ist auch ein Beitrag zur aktiven Sicherheit. Was würdest du Interessierten empfehlen, um sich im Umgang mit dem Fahrrad zu verbessern.

Jung: Das Wichtigste ist: üben, üben, üben und vor allem nicht schon nach fünf Minuten aufgeben, wenn es nicht gleich so richtig klappen sollte. Ein Tipp: Erst langsam fahren und die Technik sauber erlernen und ausführen. Bei regelmäßigem Üben und Trainieren wird man merken, dass man immer sicherer wird und somit die Grundvoraussetzung gegeben ist, auch höheres Tempo in schwierigem Gelände fahren zu können. Fahrtechnikkurse werden heutzutage für Einsteiger sowie Fortgeschrittene in vielen Regionen angeboten. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, man sollte sich zumindest mit Gleichgesinnten zusammentun und regelmäßig in einer Gruppe fahren. So kann jeder von jedem etwas lernen und es bringt noch mehr Spaß und Fahrfreude – und sollte mal etwas passieren, so ist man in einer Gruppe auch sicherer aufgehoben.

Info

Noah Jung - Fahrtechnik- und Praxistipps

Noah Jung vom Team delta-bike.de gehört zu den besten Mountainbikern seiner Altersklasse und gibt unseren Lesern Tipps, wie das Fahrrad auf Laub, Schmiere und Nässe am besten zu handhaben ist. Der 17-jährige Schunk-Azubi startet in der U19-Bundesliga und will auch im nächsten Jahr wieder beim deutschen World-Series-Lauf in Heubach starten. Derzeit befindet er sich nach einer kleinen Pause im Grundlagenaufbau und hat das Training wiederaufgenommen. Jung von der RSG Gießen und Wieseck gewann in diesem Jahr unter anderem den Bike-Marathon in Boppard und am Dünsberg, überdies buchte er in St. Ingbert erstmals Weltranglistenpunkte. (htr)

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