03. Januar 2018, 12:00 Uhr

Interview

Regionalliga beim SC Waldgirmes nicht ausgeschlossen

Der SC Waldgirmes steht auf Platz zwei der Hessenliga. Hier äußern sich Björn Velten und Manfred Klas von der Sportlichen Leitung über die künftige Ausrichtung und den möglichen Aufstieg.
03. Januar 2018, 12:00 Uhr
Haben beim SC Waldgirmes vor allem die Nachhaltigkeit im Blick: Björn Velten (l.) und Manfred Klas von der Sportlichen Leitung vor dem Vereinsheim. (Foto: sno)

Herr Klas, Herr Velten: Der SC Waldgirmes hat in den letzten 14 Jahren fünf Trainer gehabt – für fünf Übungsleiter benötigte Hessenligakonkurrent Watzenborn-Steinberg nur zweieinhalb Jahre - worauf ist das bei Ihnen zurückzuführen?

Manfred Klas: Die Philosophie des Vereins beruht auf Kontinuität. Dazugehören neben den Trainern auch die Spieler, von denen viele ja schon jahrelang bei uns aktiv sind. Wir wollen den Trainern die Möglichkeit geben, Mannschaften über eine gewisse Zeit zu entwickeln. Unser letzter Trainer Peter Bätzel konnte über vier Jahre eine Mannschaft formen, die dann nachhaltig in die Hessenliga aufgestiegen ist. Nachhaltig, weil ein Teil davon 2013 schon mit den A-Junioren in die Hessenliga aufgestiegen ist.

Björn Velten: Im Vorstand sind ja auch Leute am Werk, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich arbeiten. Es ist unser Ziel, harte Vorstandssitzungen zu führen, in denen kontrovers diskutiert wird – im Sinne des Vereins, im Sinne des Dorfes. Das ist die Grundvoraussetzung für Erfolg. Jede Saison helfen hier über 100 Leute beim Thekendienst, über 30 machen den Kassendienst. Diese komplette Kontinuität spiegelt sich dann auf dem Platz wider.

Auf eine gute Jugendarbeit zu setzen, ist der einzig gangbare Weg für uns

Björn Velten

Sie sagen im Sinne des Dorfes – was heißt das genau?

Velten: Eins kann man mit Fug und Recht behaupten: Waldgirmes ist für ein aktives und gemeinschaftliches Dorfleben bekannt. Die Ortsvereine sind stark – deswegen sehen wir uns ganz klar als Dorfverein. Wir wollen in der Jugend auf Leute aus der Region setzen – nur das kann der Weg sein.

Klas: Die Identifikation mit den Spielern, die die Zuschauer kennen, ist da, auch deshalb haben wir einen verhältnismäßig guten Zuschauerschnitt. Bei uns gibt es den Dorfzusammenhalt noch. Für die Hessenliga ist das sicherlich ein seltener Fall – aber Vereine wie Flieden, Ginsheim oder Griesheim arbeiten ähnlich und haben seit Jahren eine gute Jugendarbeit.

Beeindruckend abgeklärt marschiert der SC Waldgirmes als Aufsteiger bislang durch die Fußball-Hessenliga. (Foto: ras)
Beeindruckend abgeklärt marschiert der SC Waldgirmes als Aufsteiger bislang durch die Fußb...

Velten: Es ist aber auch immer eine Frage, welchen Weg du – durch finanzielle Möglichkeiten – gehen kannst. Es ist der einzig gangbare Weg, unabhängig von der Spielklasse. Dass wir jetzt zur Winterpause dank zwei Spielen mehr auf dem zweiten Platz überwintern, ist toll – wenn es der Zehnte gewesen wäre, dann wären wir aber auch zufrieden gewesen.

Gibt es wichtigere Parameter als den maximalen sportlichen Erfolg?

Klas: Das Wichtigste ist: Der Gesamtverein muss wirtschaftlich-sportlich funktionieren.

Velten: Und die erste Mannschaft ist das Aushängeschild, aber nicht der Gesamtverein. Ein Verein muss atmen und leben. Jeder Spieltag muss organisiert werden – am ersten Spieltag gegen Watzenborn-Steinberg kamen 1200 Zuschauer, unser Ort hat insgesamt 4000 Einwohner. Das primäre Ziel ist natürlich, dass wir eine gute Platzierung haben wollen – wichtig ist letztlich aber, dass wir eine Unabhängigkeit schaffen zwischen der Spielklasse und dem Leben, was hier präsentiert wird. Und das beginnt bei den Bambini, dort, wo jeder anfängt, Fußball zu spielen. Wenn wir in fünf Jahren vielleicht nicht mehr Hessenliga spielen, geht die Welt in Waldgirmes auch nicht unter.

Daniyel Bulut war unsere Nummer eins

Manfred Klas

Zur Aktualität: Es läuft sportlich herausragend. Warum haben Sie vor der Saison Daniyel Bulut als Trainer verpflichtet?

Klas: Weil er unserer Meinung nach der Trainer im Raum Mittelhessen war, der am besten zu uns passt – man hat bislang überall gesehen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann. Er war unsere Nummer eins.

Velten: Eine Nummer zwei gab es auch gar nicht. Ein gutes Zeichen für einen Trainer.

Trainer Daniyel Bulut (Mitte) eint das Team des SCW und hat es zur Winterpause auf Platz zwei der Fußball-Hessenliga geführt. (Foto: fro)
Trainer Daniyel Bulut (Mitte) eint das Team des SCW und hat es zur Winterpause auf Platz z...

Im Grunde hat sich die Entscheidung als richtig erwiesen.

Klas: Dass es so gut läuft, hatte keiner erwartet. Der neue Trainer, die Zugänge und die stabile Mannschaft haben insgesamt funktioniert. Was man nicht vergessen darf: Das ganze Trainerteam macht einen guten Job. Es hat eine wichtige Rolle gespielt, dass Leif Langholz, so ein Gesicht des Vereins, als Co-Trainer von uns vorgeschlagen wurde und sich Daniyel und er letztlich so gut verstanden haben.

Ist Leif Langholz als langjähriger Spieler und jetziger Co-Trainer des Vereins irgendwann ein logischer Cheftrainerkandidat?

Klas: Im Grunde genommen ja. Er hat ja nicht umsonst einen Trainerschein gemacht. Und seine Spielerkarriere neigt sich ja auch langsam dem Ende entgegen.

Velten: Wir haben intern viele Möglichkeiten. Steffen Jordan als Co-Trainer und Mario Schappert machen bei der U23 eine ebenso herausragende Arbeit. Noch ist Daniyel Bulut ja unser Trainer, aus unserer Sicht kann er es auch bleiben. Da wird es in den nächsten Wochen Gespräche mit ihm geben.

Wenn, dann müssten wir nach Wetzlar ins Stadion umziehen

Manfred Klas

Was sich aufgrund des sportlichen Erfolges viele Fußballfans in Mittelhessen fragen: Wäre ein Regionalligaaufstieg für den SCW denkbar? Bei der Hessenmeisterschaft 2008/09 wurde auf das Aufstiegsrecht verzichtet.

Klas: Man müsste es sportlich ja erst mal schaffen. Für einen Dorfverein wie wir es sind, ist die Regionalliga verdammt schwer. Aber, was man nicht verkennen darf: Im Sommer haben wir gesagt: Die, die aufgestiegen sind, sollen sich das Verdiente abholen. Dabei würden wir sicherlich bleiben. Aber man fragt immer: Kann das der Klub? Man muss ja auch mal schauen: Kann und will die Mannschaft das stemmen? Viele haben den Fokus auf Beruf und Ausbildung. Wenn sieben, acht Spieler sagen würden: Der Zeitaufwand ist uns zu groß – dann wäre es kein Thema für uns. Und klar ist: In Waldgirmes könnten wir die Auflagen am Sportplatz nicht erfüllen. Wenn, dann müssten wir nach Wetzlar ins Stadion umziehen. Da würde es sicherlich Möglichkeiten geben.

Velten: Wir haben intern besprochen, dass wir die ersten vier durchaus schweren Spiele nach der Winterpause abwarten und dann einen Strich ziehen. Vielleicht fällt ja bis dahin noch ein Gönner vom Himmel. Stand heute beschäftigen wir uns nicht mit dem Thema. In der Hessenliga sind wir momentan sehr gut aufgehoben.

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