08. November 2018, 22:56 Uhr

Heimniederlage

Wetzlar lässt sich von Berlin düpieren

Den zwei starken Auftritten gegen FA Göppingen und beim VfL Gummersbach folgte der Einbruch. Die HSG Wetzlar ließ sich von stark dezimierten Füchsen Berlin 29:24 (14:12) düpieren.
08. November 2018, 22:56 Uhr
Und wieder ist die Abwehr-Tür im Zentrum sperrangelweit auf: Anton Lindskog (verdeckt), Alexander Hermann (links davor) und Olle Forsell Schefvert (rechts) lassen Berlins Mijajlo Marsenic wiederholt sträflich passieren. (Foto: Vogler)

HSG Wetzlar


Gäste-Coach Velimir Petkovic hatte nach dem Auswärtscoup seiner personell gebeutelten »Sängerknaben«-Truppe »richtig gute Laune«, sein Kollege Kai Wandschneider war indes einfach »sehr enttäuscht, weil wir nicht so da waren wie in den letzten beiden Spielen«.

Ohne elf Erstligaakteure, davon acht Leistungsträger, reisten die Füchse nach Mittelhessen. Es fehlten Asse wie Paul Drux, Fabian Wiede und Mattias Zachrisson. Trainer Petkovic füllte mit jungen Talenten auf und notierte dennoch 14 Spieler auf den Spielberichtsbogen. Berlin brachte dennoch eine ansehnliche Truppe auf das Wetzlarer Parkett und markierte durch Wael Jallouz gleich im ersten Angriff das 1:0. Den ersten Treffer für die HSG setzte Neuzugang Maximilian Lux sofort im Anschluss.

So schnell die ersten Tore auch fielen, im weiteren Verlauf schlugen die Gäste die Wetzlarer mit deren eigenen Waffen. Mit lang ausgespielten Angriffen brachten die Berliner die HSG-Anhänger schnell gegen sich auf – eine Taktik, die auch die Grün-Weißen auswärts gerne für sich beanspruchen. Mit Jakov Gojun und Erik Schmidt im Mittelblock ging Petkovic das Risiko von zwei Angriff-Abwehr-Wechseln ein und die Füchse kassierten hier allein in der ersten Halbzeit sechs Siebenmeter, von denen Maximilian Holst fünf sicher verwandelte.

»Mein Appell war, dass wir in der Abwehr 50 Prozent besser spielen müssen als zuletzt und unsere Chance suchen müssen, indem wir Bälle klauen und leichte Tore schießen«, erklärte Petkovic seinen Matchplan. Im zweiten Durchgang gelang es so der HSG Wetzlarnicht einziges Mal mehr, die Berliner Deckung in Verlegenheit zu bringen. Es fehlte der Mannschaft von Kai Wandschneider einmal an der nötigen Durchschlagskraft und zum anderen an der entsprechenden Cleverness, um die Füchse-Abwehr zu knacken.

Die eigene Verteidigung stand zunächst gut, ließ die Berliner wissen, dass an neun Meter der Spaß aufhört. Aber auch hier ließen die Hausherren spürbar nach, agierten früh nicht mehr aggressiv und konzentriert genug. Die Gäste aus der Hauptstadt zeigten, dass sie auch ohne ihre Leistungsträger in der Lage sind, sich durchzusetzen. So waren es im zweiten Durchgang die Berliner, die drei Zeitstrafen zogen und ebenso viele Siebenmeter zugesprochen bekamen. »Wir haben gute Situationen im Eins-gegen-Eins kreiert und diese konsequent abgeschlossen«, meinte der elffache Berliner Torschütze Hans Lindberg. »Das war klug und geduldig von uns.«

Gerade in den entscheidenden Phasen schlich sich bei der HSG wieder der Fehlerteufel ein und man spielte damit den Berlinern in die Karten. Haarsträubende, teils verheerende Abspielfehler in der zweiten Hälfte sorgten dafür, dass die Gäste bevorzugt durch Lindberg in den Gegenstoß kamen. Dabei gelang es Alexander Hermann sogar, einen Wurf des Berliners vor dem leeren Tor zu blocken. Doch auch diese Aktion sorgte kaum dafür, dass endlich ein Ruck durch das Wetzlarer Team ging. Kurz darauf fing Frederik Simak einen Pass von Rubin auf Lux in der Luft ab, warf ihn quer über das Feld zum davoneilenden Lindberg, der sich nicht noch einmal den Schneid abkaufen ließ. Der Däne war es auch, der zwei Angriffe später den Ball von Cavor auf Rubin abfing und mit dem 22:19 in der 46. Minute Kai Wandschneider in die nächste Auszeit nötigte. »In der entscheidenden Phase sind uns zu viele technische Fehler unterlaufen«, gestand Hermann zerknirscht ein.

Wetzlar produzierte – mal wieder – zu viele technische Fehler im Spielaufbau und versemmelte zudem etliche freie Wurfchancen. Ob Lux, der viel zu spät den Abschluss auf das leere Berliner Tor suchte; oder Lenny Rubin, der die Kugel an die Oberkante der Latte wuchtete; oder Stefan Cavor, der in der letzten Minute vor der Pause den Ball gleich völlig am Tor vorbei warf.

In der zweiten Halbzeit vergaben Lindskog und Holst zwei Gegenstöße, nachdem sich die HSG wieder herangekämpft hatte und in der 40. Minute sogar mit 18:17 in Führung gegangen war. »Der Angriff war in der ersten Halbzeit noch relativ diszipliniert, aber auch da waren schon komische Szenen dabei«, bemängelte Wandschneider die Anhäufung von Defiziten, die seine Mannschaft ins Hintertreffen brachten und zur unnötigen Niederlage gegen eine Sängerknaben- statt Füchse-Truppe führten. An diesem Abend waren die Wetzlar im Nahwurfbereich einfach zu grün hinter den Ohren..

Wetzlar: Klimpke, Marinovic; Hermann (2), Kneer, Ferraz (2), Mirkulovski, Schreiber, Torbrügge, Frend Öfors, Holst (7/5), Forsell Schefvert (2), Rubin, Lux (3), Lindskog (4), Cavor (4).

Berlin: Heinevetter, Stochl; Elisson (2), Holm (7), Gojun, Genty, Lindberg (11/3), Simak (2), Schmidt, Matthes, Jallouz (2), Koch (1), Marsenic (4), Gliese.

Stenogramm / SR: Schulze/Tönnies (Magdeburg). – Z: 3786. – Zeitstrafen: 8:6 Minuten – Rote Karte: Koch (Foulspiel, 25.). – Siebenmeter: 6/5:4/3.

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