30. August 2016, 18:33 Uhr

Keeper Klimpke: »Mein Traum ist die Bundesliga«

(pie) Till Klimpke hat mit der deutschen Handball-Auswahl bei der U18-EM die Bronzemedaille gewonnen. Der Nachwuchskeeper der HSG Wetzlar wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Im Interview erklärt er, dass er mal in der Bundesliga spielen will.
30. August 2016, 18:33 Uhr
Ein starker Rückhalt: Torwart Till Klimpke, der bei der Europameisterschaft der U 18 zum besten Keeper des Turniers gewählt wurde und der in der kommenden Saison mit der A-Jugend und der U 23 der HSG Wetzlar Erfolge feiern möchte. (Foto: ras)

Noch ein wenig müde betritt der knapp zwei Meter große Nachwuchstorwart der HSG Wetzlar die Halle. Die Bronzemedaille, die Till Klimpke mit der deutschen Auswahl bei der U18-Europameisterschaft gewonnen hat, steckt lässig in der Hosentasche. Trotz vieler Glückwünsche kassiert er, obwohl zum besten Torhüter des Turniers gewählt, von Torwart-Trainer Jasmin Camdzic nach der Begrüßung erst mal einen Rüffel. Gleichwohl nimmt er sich die Zeit, uns einige Fragen zur Europameisterschaft und zu seinen Zielen zu beantworten.

Till, wie ist das, wenn man in so einem Moment kritisiert wird? Einem der Trainer sagt, du hättest schlecht gespielt?

Till Klimpke: Ach, das war für mich eigentlich vorauszusehen (grinst). Dabei ging es um ein paar Situationen im letzten Spiel und in dem hat mir meine Leistung auch nicht gefallen. Für mich war das jetzt nicht schlimm, sondern eher gut, dass er es mir gesagt hat.

Ihr habt nach einem guten Turnier in Kroatien die Bronzemedaille geholt. Wie zufrieden bist du mit dem Turnierverlauf und deiner eigenen Leistung?

Klimpke: Zum Ende hin sind wir natürlich sehr zufrieden, eine Medaille mit nach Hause gebracht zu haben. Eine andersfarbige wäre natürlich noch schöner gewesen, vor allem weil wir dazu auch die Chance gehabt hätten. Das war im Halbfinale ein sehr unglückliches Spiel.

Ihr habt in der Partie gegen Frankreich bereits mit neun Toren geführt, musstet dann in die Verlängerung und habt mit 38:39 verloren. Bitter, oder?

Klimpke: Klar, aber wir haben es dann einfach auch nicht verdient, wenn man eine so hohe Führung nicht über die Zeit bringen kann. Mit unserer Mannschaftsleistung bin ich trotzdem sehr zufrieden. Wir sind ziemlich nah zusammengerückt in den zwei, drei Wochen, die wir zusammen waren. Wir haben das bestmögliche rausgeholt, in der letzten Partie noch mal ein saustarkes Spiel gemacht, uns zurückgekämpft, als wir mit sechs, sieben Toren hinten lagen. Das haben wir dann auch verdient gewonnen.

Wo war im Halbfinale der Knackpunkt?

Klimpke: Wir haben viel zu hektisch gespielt. Wenn man zehn Minuten vor Schluss mit sechs Toren führt, muss man noch drei, vier Tore machen, um das über die Zeit zu bringen. Die Bälle haben wir leider verworfen, in einigen Situationen zu schnell abgeschlossen. Dazu noch ein paar dumme Fehler, wie Stürmerfoul oder den Ball ins Aus geschmissen. Wir haben schnelle Gegenstöße bekommen und mussten in die Verlängerung. In der Verlängerung haben wir es in der zweiten Halbzeit selbst vermasselt, konnten die Führung und eine Zeitstrafe gegen Frankreich nicht nutzen.

Das habt ihr dann im Spiel um Platz drei besser hingekriegt.

Klimpke: Ja, da haben wir nach einer Auszeit den Schalter komplett umgelegt, vorne unsere Tore gemacht. Trotzdem mussten wir zweimal in die Verlängerung, das war für die Spieler extrem hart.

Was ist in dir vorgegangen, nachdem diese 80 Minuten endlich rum waren und der Sieg feststand?

Klimpke: Da denkt man nicht mehr viel, da ist man einfach nur happy. Wir sind alle auf das Spielfeld gesprintet, haben uns aufeinander geworfen. Da war erst mal nur pure Freude. Das war ein Ziel von uns, mit einer Medaille heimzufahren. Das war einfach geil.

Habt ihr euch danach noch mal zusammengesetzt und über diese Tage gesprochen?

Klimpke: Nee, eigentlich gar nicht. Wir haben nur eine ganz normale Spielbesprechung gemacht, waren kurz bei den Eltern. Aber so untereinander gab es nicht mehr viel.

Wann seid ihr zurückgekommen?

Klimpke: Gleich am nächsten Morgen um 5 Uhr ging es los.

Also blieb gar keine Zeit, das zu verarbeiten?

Klimpke: Nee. Das hatten wir ja auch nach dem Halbfinalspiel nicht, wo wir blöd verloren haben. Da darf man gar nicht weiter drüber nachdenken. Das war eigentlich bei jedem Spiel so. Auch als wir mit plus 27 Toren aus der Gruppe raus sind und in der Hauptrunde direkt das erste Spiel verloren haben. Da darf man nicht weiter drüber nachdenken. Das musst du in so einem Turnier ganz schnell wieder abhaken.

Haben sich die Erwartungen und Zielsetzungen nach so einem Erfolg verändert?

Klimpke: Och, die sind eigentlich die gleichen, wie vorher. Mit der A-Jugend wollen wir in der Bundesliga so weit kommen wie es geht. Da sehe ich gute Chancen, weil wir eine gute Truppe sind. Und in der U23 gucke ich mal, was mich so erwartet (grinst).

Machst du dir über die kommende Belastung mit zwei Spielen am Wochenende, Training und Arbeit Gedanken?

Klimpke: Nee. Ich gebe einfach Gas. Ich weiß, dass ich noch etwa ein Jahr eine stressige Zeit habe. Das mache ich ja schon seit zwei Jahren, das ist praktisch zum Alltag geworden. Und es macht mir auch Spaß, meine Arbeit und Handball. Das ist die Hauptsache. Wenn du irgendwas machst, wo du keinen Spaß dran hast, das geht nicht, dann ist es wirklich Stress.

Das Fernziel ist die Bundesliga, oder?

Klimpke: Auf jeden Fall.

Wann hast du das Ziel angepeilt? Was wäre, wenn dich zum Beispiel in einem halben Jahr jemand fragen würde?

Klimpke (grinst): Würde ich Ja sagen. Es gibt nichts Besseres. Das ist mein Traum, mal Bundesligaspieler zu sein. Auf diesem Weg habe ich in diesem Jahr auch meinen nächsten Schritt gemacht, indem ich bei der HSG den Vertrag unterschrieben habe. Mal gucken, wie sich das entwickelt. Ich gebe mein Bestes, damit ich weiterkomme.

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